
Igelbabies gefunden - was nun?
Grundsätzlich ist zu sagen, daß Igelbabies in die erfahrenen Hände von Fachleuten gehören. Ihre Aufzucht ist nicht nur ungeheuer aufwendig und zeitraubend, sondern oft auch mit Schwierigkeiten verbunden. Befindet sich keine Station in Ihrer Nähe, sind Ihnen die nachfolgenden Seiten sicher hilfreich.
Zuerst müssen wir unbedingt darauf hinweisen, daß Igelmütter nicht immer bei ihren Babies sind! Sie verlassen das Nest, um auf Futtersuche zu gehen oder ihr "Geschäft" zu erledigen. Vielleicht ist die Igelmutter auch auf der Suche nach einem neuen Nestplatz, oder sie ist sogar bereits im Umzug begriffen und trägt gerade ein Baby weg. Möglicherweise sitzt sie nur wenige Meter von Ihnen entfernt im Gebüsch und wartet angsterfüllt und mit pochendem Herzen, daß Sie sich wieder von ihren Kindern entfernen! Also die Babies nicht sofort einsammeln, sondern mindestens 1 Stunde aus sicherer Entfernung beobachten, ob diese wirklich allein sind!
Anders sieht es aus, wenn die Babies am hellen Tage auf Ihrem Rasen herumkriechen oder -liegen und womöglich sogar schon mit Fliegeneiern (weißlich-gelbliche Flecken) oder gar mit Maden bedeckt sind. Dann ist Eile geboten, denn hier ist der Mutter eindeutig etwas zugestoßen. Diese Igelkinder sind zum Überleben auf menschliche Hilfe angewiesen.
Fliegeneier müssen unbedingt (mit einem feuchten Tuch oder einer Pinzette) entfernt werden. Bereits in kurzer Zeit entwickeln sich Maden, die dann den kleinen Igel lebendig auffressen würden. Bereits vorhandene Maden sammeln Sie bitte mit einer Pinzette (ggf. unter Zuhilfenahme einer Lupe) ab, jede Made, die Sie übersehen, ernährt sich von dem Igel! Vorzugsweise legen Fliegen ihre Eier an den Körperöffnungen wie Augen, Ohren, Mäulchen, After, Geschlechtsteile sowie in den Achselgegenden ab. Schauen Sie hier bitte ganz genau nach. Auf ein Bad, wie in vielen (alten) Igelbüchern beschrieben, sollten Sie verzichten, das Igelkind ist ohnehin schon geschwächt und würde diesen zusätzlichen Stress möglicherweise nicht überleben.
Unterbringung: Daß Säuglinge warm untergebracht werden müssen, ist selbstverständlich, am besten in einem Pappkarton, etwa doppelt so groß wie eine Wärmflasche. Die mit gut handwarmem Wasser gefüllte Flasche bedeckt man mit einem doppelt gefalteten Handtuch, legt einige Bögen Küchenpapier darüber und setzt dann die Igelbabies darauf. Mit einem weiteren Handtuch werden sie abgedeckt. Den zweiten Teil des Kartons legt man so dick mit Zeitungen aus, daß zwischen der Wärmflasche kein Absatz entsteht. So können die Babies in die kühlere Zone kriechen, wenn es ihnen zu warm wird. Nach jeder Fütterung unbedingt den Inhalt der Wärmflasche auswechseln. Vorsicht: kein Heizkissen benutzen, da es selbst bei geringster Stufe zu einem Wärmestau und damit zur tödlichen Überhitzung der Babies kommen kann!
Das wird für die Aufzucht von Säuglingen benötigt:
1. Saugfläschchen für Katzenwelpen oder 2-ml-Einwegspritzen (natürlich ohne Nadel), auf die man ein 1-2 cm langes Stück Fahrradventilschlauch zieht.
2. Ersatzmilch für Katzen- (Royal Canin 1age oder Gimpet Katzentrockenbabymilch) oder Hundewelpen (Esbi-Lac), erhältlich beim Tierarzt, im Tierbedarfhandel oder in Apotheken.
Bitte nicht die fertige Katzenmilch verwenden, sondern die nur vorgenannten Trockenmilchsorten!
3. Eine Küchenwaage (möglichst mit Gramm-Einteilung) oder Briefwaage.
4. Osspulvit (wichtig für den Knochenaufbau) sowie ein Multivitaminpräparat, beides in Apotheken erhältlich.
5. Fencheltee
6. Keine Babynahrung aus der Human-Medizin verwenden!

Nach Aufnahme die Igelkinder unbedingt wiegen, Gewicht notieren und das Ungeziefer wie oben beschrieben entfernen. Die Altersbestimmung der Säuglinge sollte sich mehr nach Aussehen und Entwicklung richten als nach dem Gewicht, da dieses abhängig ist von der Größe des Wurfes, dem Gesundheitszustand der Igelmutter und der Zeitspanne, in der die gefundenen Babies keine Nahrung erhielten. Alle diese Dinge sind dem Finder üblicherweise nicht bekannt.
Milchzubereitung:
Verdünnter Fencheltee (für 2 Babies etwa 1/2 Tasse aufbrühen) wird mit Gimpet, Royal Canin oder Esbi-Lac angerührt, dazu die mitgelieferte Meßkelle benutzen. Bei sehr kleinen Babies (unter 70 g) kann man der Mischung 1-2 Tropfen Oliven- oder Sonnenblumenöl zufügen, da die Milch der Igelmutter sehr fettreich ist. Ein Tropfen Bienenhonig verbessert den Geschmack, das Baby ist eher geneigt, diese ihm unbekannte Nahrung anzunehmen. Die Milch sollte jedesmal frisch zubereitet werden, auch wenn beider Mengenangabe Reste verbleiben!
Zum Füttern legt man ein Baby auf dem Rücken in die linke Hand und hält es mit dem Daumen fest. Der Tritt mit den Vorderfüßchen gegen den Daumen heißt nicht, daß das Baby satt ist: es ist der sogenannte "Milchtritt", normalerweise gegen die Zitzen der Mutter gerichtet, der den Milchfluß anregt.

Bis zu einem Gewicht von etwa 70 g muß ein Igelbaby 8 Mahlzeiten tags und 2 nachts erhalten, ab 80 g geht man auf 6 Tagesmahlzeiten und 1 Nachtmahlzeit über. Die Fütterung muß also alle 3 Stunden erfolgen. Igelkinder, die ihre Mutter vermissen, geben ein Zwitschern von sich, das dem von Vogeljungen ähnelt, mit diesen Lauten wird es bald auch nach Ihnen rufen, vor allem, wenn es hungrig ist.
Nach der Mahlzeit erfolgt das sogenannte "Toiletting": Igelbabies sind noch nicht in der Lage, selbst Kot und Urin abzusetzen. Die Igelmutter beleckt Bäuchlein und Geschlechtsteile der Babies mit der Zunge und nimmt dabei gleich die Ausscheidungen auf, um das Nest nicht zu beschmutzen. Nach jeder Mahlzeit muß der Pfleger also mit einem angefeuchteten Finger oder Wattestäbchen Bauch und Aftergegend massieren, bis sich Erfolg einstellt (ab etwa 2. Woche - mit dem Öffnen der Augen - können die Babies Darm und Blase selbst entleeren; Toiletting ist dann nicht mehr erforderlich). Findet man Kot und Urin im Nest, heißt das nicht, daß das Toiletting überflüssig geworden ist - im Gegenteil: die Babies "müssen" dringend! Während der Fütterung mit obiger Ersatzmilch besteht der Kot aus kleinen, grünlichen aneinander klebenden Kügelchen.
Nahrungsreste und Kot/Urin reizen die zarte und empfindliche Babyhaut, nach jeder Fütterung also Verunreinigungen mit einem angefeuchteten Küchenpapier vorsichtig wegtupfen, hin und wieder die Haut sanft mit Penaten-Babyöl einreiben.
Das tägliche Wiegen und Notieren des Gewichtes ist Pflicht. Bis zu einem Gewicht von etwa 90 g sollte ein Baby ca. 5 g/Tag zunehmen, danach können es bis zu 10 g/Tag werden. Die dafür erforderliche tägliche Nahrungsmenge beträgt etwa ein Drittel des Babygewichtes. Etwa Ende der zweiten Woche öffnen sich die Augen der Babies, von diesem Zeitpunkt an kann die nächtliche Fütterung unterbleiben, es genügt dann, die erste Mahlzeit morgens gegen 07:00 h und die letzte gegen 23:00 h abends zu geben.
Sobald die Milchzähne durchstoßen (etwa ab der dritten Woche) bietet man den Babies die Ersatzmilch in einem flachen, kippsicheren Teller an. Dabei stupst man das Igelkind vorsichtig mit dem Schnäuzchen in den Teller. Nach und nach wird die Milch dann mit stark zerkleinertem Katzendosenfutter, gekochtem Ei oder Rührei vermischt und das Igelkind allmählich auf feste Nahrung umgestellt.

Zu diesem Zeitpunkt sollten Ihre Igelkinder bereits über 100 g wiegen.
Schon in der 3. Woche werden die Babies anfangen, die nähere Umgebung des Nestes zu erforschen, diese Ausflüge werden nun immer länger und in weitere Bereiche führen. Spätestens jetzt sollten Sie den Babies ein großes Gehege anbieten, zumal in der Wohnung überall Gefahren lauern: Spalten zwischen Schrank und Wand, offene Zimmertüren, offene Schränke, Hohlräume unter den Möbeln usw. Ihre Igel haben jetzt das Alter erreicht, in dem ihre Mutter sie ebenfalls auf die ersten Ausflüge mitnimmt. Mitunter gehen hierbei Igelkinder verloren und werden dann - hoffentlich - von Tierfreunden gefunden.
Bei der Aufzucht Ihrer Babies wünschen wir Ihnen viel Erfolg! Und für Fragen stehen wir natürlich jederzeit gern zur Verfügung.