Nach dem Winterschlaf im Garten

Die ersten frühen Tulpen schließen ihre Blütenkelche, die Sonne verschwindet am Horizont, und die Kühle der Nacht ist bereits spürbar. Doch die Zeit der Nachtfröste ist vorbei, nur selten noch sinken die nächtlichen Temperaturen unter + 10°C.

Ein leises Rascheln unter dem alten Laubhaufen, vorsichtig schiebt sich ein spitzes Schnäuzchen hervor - der Igel verläßt sein Nest. Während des Winterschlafs hat er etwa 30 % seines Gewichtes verloren, und das Aufwachen hat ihn nochmals viele Energiereserven gekostet. Nun knurrt ihm gewaltig der Magen. Doch gerade in diesen ersten Frühlingstagen (Ende April/Anfang Mai) ist das natürliche Nahrungsangebot für unseren stachligen Freund – Schnecken, Würmer, Käfer und andere Insekten - noch sehr gering, und so mancher "Gartenfreund" beseitigt beim großen Frühjahrsputz auch noch die letzten mageren Happen.

So helfen Sie dem nützlichen Gartenbewohner über die kargen Frühlingswochen:

Richten Sie an einem leicht zu reinigenden Plätzchen (z. B. Ihrem Plattenweg oder der überdachten Terrasse) eine Futterstelle ein. Da der Igel als Insektenfresser einen hohen Eiweißbedarf hat, besteht die Hauptnahrung immer aus Fleisch, dem noch Hundeflocken, Vitamintropfen (z. B. Multibionta) und (in Form von Weizenkleie und/oder Haferflocken) auch Ballaststoffe zugefügt werden. Und um die lästigen Zecken fernzuhalten, fügen Sie bitte noch ½ Teelöffel Leinöl hinzu.

Als Futterrezept hat sich folgende Mischung gut bewährt:

1 Büchse Hunde- oder Katzenfutter (ca. 800 g) oder

1 kg abgekochtes, durchgedrehtes Hühnerfleisch mit Knorpel und Knochen (!)

wird gemischt (leere Futterbüchse als Meßbecher verwenden) mit

¼ Büchse Hundeflocken (z.B. Matzinger mit Gemüse)

¼ Büchse Kleie (Reformhaus, Futterhandel) oder

¼ Büchse Haferflocken

5 Tropfen Multibionta

½ Teelöffel Sonnenblumenöl oder Leinöl

Rechnen Sie pro Igel etwa 5-6 gehäufte Eßlöffel. Das Futter war ausreichend, wenn sich morgens noch ein kleiner Rest im Napf befindet. Die restliche Mischung können Sie in einzelnen Portionen einfrieren.

Als "Nachtisch" oder Leckerli sind bei den Stachelrittern Igel - Trockenfutter, ungesalzene kleingehackte Nüsse, 1/2 Avocado, 1-2 Weintrauben, 1 Scheibchen Banane, etwas Quark (ungewürzt), ungeschwefelte Rosinen, kleingeschnittener Hartkäse, ungewürztes Rührei (2 Eier pro Tier), gekochte Hühnerflügel und -hälse (mit Knochen, für den Igel sehr wichtige Kaunahrung!) sehr beliebt.

Damit dem Igel seine Häppchen nicht von herumstreunenden Katzen gestohlen werden, sollten Sie den Futternapf abdecken (umgedrehte Obsthorde, die oben beschwert wird, oder einen alten Unterteller auf den Futternapf legen). Zu trinken bekommt der Igel selbstverständlich NUR WASSER, NIEMALS MILCH, da diese einen meist tödlichen Durchfall hervorruft.

Sie haben im Herbst einen hilfsbedürftigen Igel aufgenommen und überwintert? Dann ist auch für diesen jetzt der Zeitpunkt der Freiheit gekommen.

Stellen Sie bitte sein Schlafhaus am späten Nachmittag an eine gut geschützte Stelle Ihres Gartens, z. B. unter die Buchenhecke, verdeckt neben den Komposthaufen oder unter den Brombeerstrauch. Die meisten Igel genießen gern noch das Geborgenheitsgefühl, das dieser vertraute Platz ihnen gibt; ein neues Nest suchen sie sich oft erst nach einigen Tagen. Nach etwa 1 Woche kontrollieren Sie das Häuschen: sollte es leer sein, werfen Sie es einfach weg. Wundern Sie sich aber nicht, wenn Ihr Igel noch immer dort schlafen sollte - manche fühlen sich so wohl darin, daß sie auch noch länger im Häuschen verbleiben.

Da viele "Überwinterer" bereits als Kleintiere aufgenommen wurden, müssen sie das "Beute machen" erst erlernen. In dieser Zeit (etwa 2-3 Wochen) ist der Igel weiterhin auf Ihre Fütterung angewiesen (siehe oben)

Bei Ihrem abendlichen Gang durch den Garten achten Sie jetzt bitte ganz besonders auf Gefahren für den stachligen Freund: offenstehende Kellerfenster, ungesicherte Lichtschächte, Gartenteiche und Swimmingpools (Ausstiegshilfen in Form einer "Hühnerleiter" oder mit einem Stück Maschendraht schaffen!), tiefe Bodenaushube u.ä. mehr. Natürlich ist es für Sie selbstverständlich, den alten Reisighaufen vor dem Verbrennen erst umzusetzen und den Kompost nur vorsichtig anzustechen - vielleicht liegt hier noch ein Igel im Winterschlaf. Und das alte Laub unter den Büschen - stört es Sie wirklich so sehr? Es ist nicht nur natürlicher Dünger für den Garten, sondern für den Igel auch ein willkommener Unterschlupf.

Der Igel dankt Ihnen Ihre Fürsorge, indem er Sie bei der Vernichtung unliebsamer Gartenbewohner (Asseln, Schnecken, Würmer etc.) emsig unterstützt.
 
 

home